Brasilien: Weiterer Ausbau von Windenergiekapazitäten und Rückschlag für die Zuckerrohrindustrie
Mit dem Abschluss der vierten Auktion für Stromerzeugungskapazitäten konnten Windenergiebetreiber einen Großteil der ausgeschriebenen 3.900 MW für Windenergieprojekte gewinnen. Infolge der Versteigerung werden 1.929 MW neue Windenergiekapazitäten ans brasilianische Netz gehen. Schlechteren Aussichten steht die Zuckerrohrindustrie gegenüber, die durch Insektenbefall, Trockenheit wie auch Waldbrände Ertragseinbußen hinnehmen muss.
Zu den bereits 1.120 MW installierter Windenergieleistung in Brasilien kommen mit der vierten Auktion Stromerzeugungskapazitäten von 1.929 MW hinzu. Damit befinden sich nach aktuellem Stand insgesamt 5.175 MW Windenergie in Planung bzw. im Bau. Der durchschnittliche Angebotspreis in der vierten Auktion lag knapp unter BRL 100/MWh (40,758 Euro/MWh) und war damit erneut niedriger als in den vorrangegangenen Auktionen. Betreiber, die bei den Auktionen berücksichtigt worden sind, erhalten einen Stromliefervertrag (Power Purchase Agreement) mit einer Laufzeit von 20 Jahren. (vgl.
Meldung vom 02.03.11). Durch das Auktionssystem des brasilianischen Energieministeriums wird der Ausbau der Windenergie stark gefördert. 2009 fand die erste Versteigerung von Stromerzeugungskapazitäten statt. Bisher wird vor allem die Wasserkraft zur Energieerzeugung genutzt (über 70 Prozent im Strombereich). In diesem Kontext kann die Windenergie einen besonderen Beitrag zum Ausgleich jahreszeitabhängiger Schwankungen leisten. Insbesondere dann, wenn die Wasserstände in den Staubecken niedriger sind, verfügt das Land über ein hohes Windaufkommen. Vor diesem Hintergrund konnte sich der brasilianische Windmarkt zu einer der dynamischsten der Region entwickeln (vgl.
Meldung vom 01.06.2010).
Der positiven Tendenz im Bereich der Windenergie stehen ungünstige Bedingungen in der Zuckerrohrindustrie gegenüber. So sind zahlreiche Pflanzen im Süden des Landes von Triebbohrern befallen. Die Insekten bohren sich durch den Stamm und verringern den Anteil der Saccharose, der für die Ethanol- und Zuckerherstellung entscheidend ist. Zusätzlich sind durch das anhaltend trockene Wetter Waldbrände im Bundesstaat Sao Paulo ausgebrochen, die größere Produktionsausfälle verursachten. Die brasilianische Zuckerrohrernte liegt in diesem Jahr bislang um 11 Prozent unter dem Vorjahr und die Ethanol-Erzeugung fiel im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent. Die Bioethanolproduktion ist zusätzlich aufgrund der stark gestiegenen Zuckerpreise rückläufig. Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Zuckerrohrerzeugnissen und hat einen Marktanteil von über 50 Prozent.
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