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Windenergie in Lateinamerika
06.02.08

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Windenergie in Lateinamerika

Experten sehen vor dem Hintergrund der steigenden Kosten für Erdöl und Erdgas sowie vor dem Hintergrund eines starken Wirtschaftswachstums und dem damit einhergehenden steigenden Energiebedarf insbesondere gute Wachstumsmöglichkeiten für die Windenergie-Branche in Lateinamerika. Die Regierungen mehrerer Länder der Region reagieren auf diese energiepolitischen Herausforderungen mit einem Blick auf die Erneuerbaren Energien. Während in Lateinamerika Biomasse und Wasserkraft bereits traditionell eine wichtige Rolle spielen, rückt nun auch die Windenergie zunehmend in den Vordergrund.

In Mexiko zum Beispiel existiert Schätzungen zufolge allein in den Bundesstaaten Oaxaca, Zacatecas, Tamaulipas und Veracruz ein Potenzial von 7 GW Windkraft. Momentan sind etwa 85 MW installiert, zum allergrößten Teil stammen diese aus dem Ende 2006 fertig gestellten Windpark Venta II. In dem mexikanischen Sektor ist aufgrund mehrerer Abkommen zwischen privaten Akteuren und dem staatlichen Stromunternehmen Comisión Federal de Electricidad (CFE) mit starker politischer Unterstützung deutlich Bewegung gekommen. In der Fortsetzung dieser Dynamik sollen in den kommenden drei Jahren bis zu 3 Mrd. USD in neue Windparks investiert werden. Die Privatunternehmen schließen hierzu einen Abnahmevertrag mit der CFE ab, da die Übertragung weiterhin in der Hand des Staatskonzerns bleibt. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Mexiko im Moment als der interessanteste Markt für Windenergie in Lateinamerika angesehen wird. Zudem müssen ausländische Technologieanbieter in Mexiko keine Importzölle für Anlagenteile oder komplette Windkraftanlagen zahlen. Ein umfassendes Förderprogramm für Erneuerbare Energien gibt es in Mexiko allerdings bislang nicht.

In Brasilien gibt es ein solches Programm und enorme natürliche Potenziale für den Ausbau der Windkraft. In guten Lagen im Norden und Nordosten des Landes herrschen mittlere Windgeschwindigkeiten von 8 m/s und mehr, die hervorragend zur Nutzung durch große Anlagen geeignet sind. Schätzungen gehen von einem Potenzial von ca. 140 GW aus, von dem Ende 2006 lediglich 236 MW erschlossen waren. Trotzdem sind bislang nur wenige Windparks gebaut worden. Als ein Haupthindernis gelten staatliche Vorgaben für den Bau der Windparks. Mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung müssen im Land erfolgen ("local content rule"), was den umfangreichen Import von Anlageteilen unterbindet und zum Aufbau von Produktionsstätten vor Ort zwingt. Das Gesetz zum nationalen Förderprogramm PROINFA sieht den Verkauf von Ökostrom zu für den Produzenten besonders günstigen Bedingungen vor. Der Staat garantiert über 20 Jahre hinweg eine Abnahme zu mindestens 90 Prozent des durchschnittlichen Marktpreises.

Im Rahmen von PROINFA wird auch auf die Einfuhr von Anlagenteilen kein Zoll erhoben. Das größte Land Lateinamerikas ist zwar im Moment nicht von einer akuten Energieknappheit betroffen. Allerdings gingen die Reserven im Stromsektor seit 2004 von 12 auf 6 Prozent zurück. Brasilien bezieht circa 77 Prozent seiner Elektrizität aus großen Wasserkraftwerken und baut diese zurzeit noch aus.
In Argentinien führt eine akute Energiekrise seit Mai 2007 zur Stromrationierung für gewerbliche Abnehmer. Einem Verbrauch von 18 GW (Mitte 2007) stehen Erzeugungskapazitäten von lediglich 16 GW gegenüber. Nur 0,7 GW des Defizits können zurzeit durch Importe abgedeckt werden.

Auch hier wird der Windkraft zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt, zumal  insbesondere der Süden Patagoniens ein hohes natürliches Potenzial für Windkraftnutzung hat. Allerdings sind bisher lediglich Windturbinen mit insgesamt 28 MW Kapazität ans Netz gegangen. Nach offiziellen Planungen sollen in den kommenden drei Jahren 300 MW Leistung zusätzlich installiert werden. Bei einigen Projekten beteiligen sich die regionalen Behörden an den Kosten für die Infrastruktur (insbesondere Übertragung ins nationale Netz). Ein Ende 2006 auf nationaler Ebene verabschiedetes Gesetz sieht eine direkte Förderung von Windstrom vor. Diese beträgt 0,37 Eurocent / kWh über einen Zeitraum von 15 Jahren. Zusätzlich werden steuerliche Vergünstigungen gewährt.

In den Provinzen Patagonien, Buenos Aires und Santa Cruz existieren zusätzliche regionale Programme, die ebenfalls Fördermittel bereitstellen. Umfassende Investitionen in neue Anlagen sind in Argentinien bislang ausgeblieben, obwohl die staatlichen Fördermaßnahmen umfassende Anreize setzen. Grund dafür sind vor allem die festgeschriebenen Höchstpreise für Endverbraucher, die nicht über drei Eurocent / kWh liegen dürfen. Darüber hinaus sollen vorzugsweise heimische Hersteller bei der Lieferung der Anlagen berücksichtigt werden. Allerdings verfügt die argentinische Branche noch nicht über das erforderliche Know-how.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist einer der Schwerpunkte der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank (IDB). Verschiedene regionale Förderprogramme unterstützen diesen Prozess. Eines der wichtigsten Projekte ist das "Renewable Energy and Energy Efficiency in Latin America and the Caribbean Program", das zusammen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) betrieben wird. Im Vordergrund steht hierbei die Identifizierung geeigneter Standorte für die regenerative Stromerzeugung.

Weitere Informationen: www.bfai.de/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument.html?fIdent=MKT200712058003

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