Zielmarkt Chile: Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung für Energiematrix
Um das bisherige Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten, muss Chile seine energiewirtschaftlichen Kapazitäten erheblich ausbauen. Insgesamt sollen zwischen 2008 und 2012 öffentliche und private Investitionen in Höhe von rund 25 Mrd. USD in die Stromversorgung fließen; bei gesamtwirtschaftlichen Großinvestitionen von voraussichtlich 57 Mrd. USD.
Der chilenischen Energiekommission (Comisión Nacional de Energía, CNE) zufolge müssen die installierten Kapazitäten zur Energieerzeugung bis 2020 von gegenwärtig 12.700 MW auf rund 20.000 MW steigen. Zudem verfolgen staatliche Initiativen, wie das "Programa País de Eficiencia Energética" eine nachhaltige Steigerung der Energieeffizienz.
Die Achillesferse der chilenischen Energiewirtschaft ist das Fehlen größerer Reserven von Erdöl oder Erdgas. Laut chilenischer Zentralbank erhöhte sich der Import von Brennstoffen im 1. Halbjahr 2008 gegenüber der Referenzperiode 2007 um 84,8% auf 8,9 Mrd.USD. Die Lage wird durch steigende Transportkosten und unsichere Lieferungen von Erdgas aus den Nachbarländern Argentinien und Peru verschärft.
Senatspräsident Alfonso Zaldívar fordert angesichts Chiles Versorgungslage die größtmögliche Diversifizierung der Energiematrix. Zur Förderung der sogenannten "nicht-konventionellen Erneuerbaren Energien" (die große Wasserkraft zählt nicht zu dieser Kategorie)hat Chile im März 2008 ein Gesetz verabschiedet, das die Erzeuger und die Energieversorgungsunternehmen dazu verpflichtet, zwischen 2010 und 2014 mindestens 5% des Stroms durch Nutzung von Biomasse, Erdwärme, Sonne, Wind oder Meeresströmungen zu erzeugen. Bis 2024 soll dieser Anteil auf 10% steigen.
Zahlreiche Firmen aus dem EE-Bereich sind bereits im Andenland aktiv, darunter auch das Konsortium Sistemas Automáticos. Insgesamt sollen Solarkraftwerke im Wert von rund 1 Mrd. USD und mit einer Gesamtkapazität von 600 MW im Norden Chiles entstehen. Gleichzeitig geht die Baubranche in Chile zunehmend dazu über, die Warmwasserversorgung oder Heizung neuer Gebäude mit Solartechnik auszustatten. Auch das in der Hauptstadtregion tätige Stromversorger Chilectra für die Neuausstattung der Straßenbeleuchtung Anfang 2008 ein Förderprogramm für die Nutzung von Solarenergie gestartet.
Im Windenergiebereich hat die spanische Eólica de Navarra kürzlich die erforderlichen Umweltstudien für ein Projekt in der IV. Region, rund 400 km nördlich der Landeshauptstadt, mit einem Investitionsvolumen von rund 1 Mrd. USD und einer Kapazität von 500 MW abgeschlossen. Auch die spanische Endesa prüft, ob sie ihren bestehenden Windpark Canela für 168 Mio. USD um 69 MW ausweitet. Lokale Unternehmen, vor allem aus der Forstwirtschaft, sind bei der Verwertung von Biomasse aktiv. Die laufenden Projekte in diesem Bereich ermöglichen Erzeugerkapazitäten von bis zu 2.000 MW. Bislang werden 532 MW genutzt. Die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten hängt jedoch unter anderem von der Verabschiedung eines neuen Forstwirtschaftsgesetzes ab.
Eine aussichtsreiche Energiequelle ist auch Erdwärme. Die Empresa Nacional de Geotermía (Enag) schätzt das Erdwärmepotenzial in Chile auf bis zu 3.500 MW. Zu den bisher bekannt gewordenen Vorhaben der Enag zählt ein Projekt im Valle de las Nieblas, für das bereits eine Umweltverträglichkeitsgespräch vorliegt.
Weitere Informationen:
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